Allgemeines zur Neuraltherapie

Neuraltherapie ist eine naturheilkundliche Behandlungsmethode. Ihre Besonderheit stellt ihre nahe Verwandtschaft zur klassischen Medizin dar. Sie wurde zufällig als Nebenwirkung einer schulmedizinischen Behandlung entdeckt.
Neuraltherapie ist insofern eine ganzheitliche Therapieform, da sie sich immer auf Ihren Gesamtorganismus auswirkt.

 

Wie wirkt Neuraltherapie?

Bei der Neuraltherapie werden örtlich wirksame Betäubungsmittel (Lokalanästhetika, z.B. Xyloneural ®) an bestimmte Stellen des Körpers injiziert. Dabei ist nicht der Umstand der örtlichen Betäubung, sondern die Beeinflussung der Regulationssysteme (wie z.B. Durchblutung, lokales Immunsystem, Nervenversorgung) das Ziel. Die Behandlung erfolgt über Punkte an Haut, Muskulatur und Nerven, sowie über die Ausschaltung von Störfeldern.
Die gezielte Infektion kleiner Mengen eines Lokalanästhetikums erfolgt nicht nur zur kurzfristigen Beseitigung eines bestehenden Symptoms, sondern schafft durch vorübergehende Ausschaltung der verursachenden Faktoren die Voraussetzung zur Normalisierung oder Verbesserung der körpereigenen Regulation.
Zielsetzung der Neuraltherapie ist die Beseitigung der Ursache, und mit Ausnahme des Injektionsschmerzes hat diese Methode ganz selten Nebenwirkungen.
Tritt eine Linderung oder spontane Beschwerdefreiheit ein (auch „Sekundenphänomen nach Huneke“ genannt), so ist dies als Besserung oder Normalisierung der Regulationsstörung zu interpretieren. Die manchmal entstehende Erstverschlimmerung ist ebenfalls als positive Reaktion auf die Therapie zu werten, weist jedoch auf eine umfangreichere Störung hin.

 

Geschichtliches

Ferdinand Huneke (1891 -1966) entdeckte die Neuraltherapie, indem er 1925 auf ein für ihn unerklärliches Phänomen stieß: Er spritzte seiner migränekranken Schwester irrtümlich ein Rheumamittel gemischt mit einem Betäubungsmittel intravenös, und konnte sie so von ihren Migränebeschwerden befreien. Durch weitere Nachbehandlungen konnte er sie dauerhaft heilen. Dies erregte seine Neugier, und im Laufe seiner Beschäftigung mit diesem Phänomen gelang ihm 1940 der nächste große Schritt: Er entdeckte das Störfeld! Huneke erkannte, dass die Schulterschmerzen eines Patienten von einer Wunde am Unterschenkel herrührten.

 

Wie geht die neuraltherapeutische Behandlung vor sich?

Zur neuraltherapeutischen Behandlung selbst werden Injektionsspritzen mit feinen Nadeln verwendet. Der Behandlungsschmerz ist meist gering, und überzeugt auch ängstliche Patienten von der Harmlosigkeit der Injektion.

Nach der Behandlung sollten Sie eine kurze Ruhepause einplanen. Als Reaktion auf die Neuraltherapiesitzung kann ein kurzzeitiges Schwindelgefühl auftreten. Die Reaktionsfähigkeit kann nach der Behandlung für ein bis zwei Stunden beeinträchtigt sein. Auch eine manchmal auftretende kurzfristige Verschlimmerung der Beschwerden („Erstverschlimmerung“) ist ebenfalls als positive Reaktion auf die Therapie zu werten, weist jedoch auf eine umfangreichere Störung hin. Informieren Sie darüber Ihren Arzt, da es für ihn einen wichtigen Hinweis für das weitere therapeutische Vorgehen darstellt. Bitte führen Sie eine Aufzeichnung über Befindensänderungen am Behandlungstag und den darauffolgenden Tagen, und bringen Sie diese zum nächsten Termin mit!
Manchmal führt schon eine einzige Behandlung zu dauerhafter Beschwerdefreiheit (Sekundenphänomen nach Huneke). Meist werden aber mehrere Behandlungen für einen anhaltenden Behandlungserfolg erforderlich sein. Wenn Sie an chronischen Beschwerden leiden, oder von mehreren Erkrankungen betroffen sind, wird sich die Therapie zuerst auf die derzeit am stärksten belastenden Beschwerden konzentrieren.

 

Wann wird die Neuraltherapie eingesetzt?

Am häufigsten wird die Neuraltherapie bei der Behandlung von Schmerzzuständen wie z.B. “Hexenschuss”, Schulterschmerzen, Tennisarm, Migräne etc. eingesetzt. Wenn bereits nicht reparable Organschäden wie z.B. Gelenksabnützung vorliegen, kann die Neuraltherapie zur Schmerzerleichterung und Verbesserung der Beweglichkeit beitragen.

Die Neuraltherapie ist weiters sehr wirksam bei der Störfeldbehandlung (z.B. chronischen Entzündungsherden, Narbenstörfeldern). Außerdem kann durch die Neuraltherapie die Funktion von inneren Organen indirekt über Reflexzonen an der Körperoberfläche positiv beeinflusst werden.

 

Wer führt die Neuraltherapie aus?

Neuraltherapie erfordert eine spezifische Ausbildung und erfahrene Therapeuten. Sie darf nur von berufsberechtigten Ärzten sämtlicher klinischer Fachrichtungen durchgeführt werden. Die Ausbildung dauert mindestens 2 Jahre und wird mit einem Diplom der österreichischen Ärztekammer abgeschlossen.

 

Grenzen der Neuraltherapie

Neuraltherapie kann am besten dort eingesetzt werden, wo die Chance zur Wiederherstellung besteht (Organe intakt, Regulation d.h. Funktion gestört). Bei schweren Gelenksschäden, nicht reparablen Organerkrankungen, Tumoren oder erblichen Erkrankungen kann sie als Hilfsmassnahme dienen, jedoch keine Heilung bewirken!

 

Häufig gestellte Fragen:

Wie viele Behandlungen sind notwendig?

Bei kurzfristig auftretenden Beschwerden genügt meist eine Kurztherapie (wenige Tage bis Wochen). Bei länger dauernden Beschwerden oder jahrelangem Verlauf der Erkrankung sind oft 1-2 Sitzungen pro Woche über mehrere Monate nötig, um Stabilität zu erlangen.
Neuraltherapie eignet sich auch als langdauernde Begleittherapie chronischer Leiden, da sie auch bei langfristiger Anwendung den Organismus nicht schädigt.

 

Kann ich nach der Behandlung arbeiten oder ein Fahrzeug lenken?

Ja, wobei je nach Intensität der Therapie eine Nachbeobachtungszeit zwischen 30 Minuten und 2 Stunden empfehlenswert ist. Beobachten Sie, wie lange Ihre Reaktionszeit nach den ersten Sitzungen beeinträchtigt war. Solange Sie sich unsicher fühlen, sollten Sie jedenfalls kein Kfz lenken oder komplizierte Maschinen bedienen.

 

Wann sollte eine Neuraltherapie nicht durchgeführt werden?

Überempfindlichkeit (Allergie) gegenüber dem örtlichen Betäubungsmittel (sehr selten)
Herzrhythmus- und Überleitungsstörungen (AV Block II° u. III°),
Myastenia gravis (selten vorkommende Muskelerkrankung)

 

Was soll ich meinem Arzt mitteilen?

Wichtige krankengeschichtliche Daten:
Schwere Vorerkrankungen, Operationen, Narben (auch Impfnarben und Narben nach Verbrennung), schlecht heilende Wunden, Probleme im Zahn-Kieferbereich, Wetterfühligkeit, etc..
Am besten nehmen Sie schriftliche Aufzeichnungen mit, da man sich während des Gespräches nicht immer an alles erinnert.

Auskünfte über Reaktionen nach der Behandlung:
Veränderung der Beschwerden, also Besserung oder vorübergehende Verschlimmerung, sowie Verlagerung der Beschwerden in andere Körperregionen
 

Informationen über persönliche Risikofaktoren:
Allergie gegen Lokalanästhetika (z.B. nach Zahnarztbesuchen), Herzerkrankungen, Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten.

Dr. Rudolf Berghofer

 

Arzt f. Allgemeinmedizin

 

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